Georg Friedrich Daniel Goess - Anonymous - 1796-10-5

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Georg Friedrich Daniel Goess - Anonymous - 1796-10-5
FINA IDUnique ID of the page  8056
InstitutionName of Institution.
InventoryInventory number.
AuthorAuthor of the document. Georg Friedrich Daniel Goess
RecipientRecipient of the correspondence. Anonymous
Correspondence dateDate when the correspondence was written: day - month - year . October 5, 1796
PlacePlace of publication of the book, composition of the document or institution. Ansbach 49° 18' 10.30" N, 10° 34' 20.03" E
Associated personsNames of Persons who are mentioned in the annotation.
LiteratureReference to literature. Goess 1797, p. 77-811
KeywordNumismatic Keywords  coin cabinet, collection classification, collection numbers, ansbach, berlin, coin cabinet, coin cabinet (managing), greek, roman republican, roman
LanguageLanguage of the correspondence German
LinkLink to external information, e.g. Wikpedia https://books.google.be/books?id=S6RYAAAAcAAJ&pg=PA80&dq=briefen+M%C3%BCnzen&hl=fr&sa=X&ved=0ahUKEwjduoOI5Y3pAhUDKewKHUubA0AQ6AEIUDAE#v=onepage&q=briefen%20M%C3%BCnzen&f=false
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Grand documentOriginal passage from the "Grand document".

-Lettre du 5 octobre 1796 (de Ansbach) : « So haben Sie also, mein Besster, meine beiden lezten Briefe vollkommen, wie Sie schreiben, mit mir ausgesöhnt. Sie finden wirklich an mir einen unpartheiischen Richter, dessen Urtheil, um mit Wieland Ihrem Lieblingschriftsteller zu sprechen, der Kunst nüzt. Ich werde mich bemühen immer ein Lob zu verdienen, das mir nie gleichgültig ist, um Ihnen zu beweisen, dass ich meiner Maxime getreu bleibe: freimüthig und bescheiden. Aber möchte doch Ieder wie Sie, guter Karl, der auf Bildung des Geistes und Herzens Anspruch machen will, so billig denken! Möchte man weniger geneigt sehn, ich weis nicht welchen Ton der sogenannten grssen Welt nachzuässen. Unpartheilichkeit für Anmassung auszuschreien, und Lob, das nur dem wahren Verdienste gebührt, durch Schmeichelei zu entweihen ! Mir soll es unverlekliche Pflicht seyn, diesen guten Genius am wenigsten deswegen zu verläugnen, um grossen und vornehmen Thoren zu gefallen. Erlauben Sie mir daher auch die Bitte, Ihre Erwartung auf diesen Brief nicht sehr zu spannen, der Sie mit den Sehenswürdigkeiten Ansbachs bekannt machen soll, um bey zu erfolgender Täuschung es nicht auf meine Rechnung zu schreiben. Ausser dem Münzkabinet, einigen Bibliotheken und den milden Anstalten wüsste ich nichts zu erwähnen, was unter dieser Rubrik eine Stelle verdienen könnte; um so mehr sehe ich mich ausgefordert, diese Ihnen, wo es mir möglich ist, nicht ganz oberflächlich zu beschreiben. Das Münzkabinet, das ich so eben reisfertig antraf, um nach Berlin zu wandern, findet sich in einem mit schönen Antiken, Gemählden und Büsten gezierten Zimmer im vierten Geschosse des Schlosses. In der Ecke desselben steht Voltär's Brustbild, das zu Paris gefertiget wurde, und ein Meisterstück der Kunst ist. Jeder, der Voltären auch nicht dem Rahmen nach kennt, muss deim Eintritt in das Zimmer lagen: hier steht der Spötter inder Ecke, so ausdrucksvoll und sprechend ist der Sportgeist Voltäre gebildet. Spottfucht und Eigendüntel, was ich Ihnen nicht erst sagen darf, sind zwei Leiden schaften, die mit einander genau verschwistert sind; aber ich zweifle ob sie je in einem Menschen noch herrschender, als bei Voltären waren: kein Wunder, dass sie sich nicht nur in seinen Gefichtszügen so bedeutungsvoll entfaltet, sondern auch in seiner ganzen äussern Form so lebhaft abgemahlt haben. War, Freund, Voltäre eben so geformt, gestaltet und gekleidet, als ich mich erinnre ihn bei Ihnen in einer Zeichnung nach dem Original gesehen zu haben, so möchte ich sagen: immer mögen die Satyren der Griechen Geschöpfe ihrer lebhasten Fantasie gewesen sehn, die Franzosen können sich rühmen, einen Satyr als wirkliches Wesen, nur in einem etwas modernern Zuschnitt in ihrer Mitte gehabt zu haben. Wie dürften Sie es also dieser Nation noch verübeln, dass sie gleich der Griechischen, mit der diese an Charakter unter allen mir jezt bekannten Völkern vielleicht die grösste Aehnlichkeit haben möchte, ihren Satyr, wenn gleich immer auf ihre eigne Weise, vergöttert habe? Das Ansbachische Münzkabinet hatte mit den meisten Sammlungen dieser Art gleichen Ursprung. Aus den hinterlassenen Schatzgeldern der Fürsten und Fürstinnen entstand ein kleiner Münzschatz, über welchen, weil er viele zur Ehre des Haufes Brandenburg geprägte Münzen enthielt, aus denen Aufschluss über Gegenstände der Brandenburgischen Geschichte zu erwarten war, ein Verzeichnis gefertiget wurde, bis ihn der vorlezte Markgraf zugleich mit der Bibliothek zu einer öffentlichen Stiftung machte. Aber dem gegenwärtigen Consistorialrath Spies, als Oberbibliothekar, gebührt das ehrenvolle Verdienst der förmlichen Einrichtung und Ausstellung dieses Münzkabinets, so wie ihm auch das gelehrte Publikum eine treue und zweckmässige Beschreibung der vorzüglichsten Münzen verdankt. Gegenwärtig besteht es aus sechs zierlich gearbeiteten Schränken, davon vier die neuen und zwei die antiken Münzen füllen, und wird dem innern Werthe nach auf 100000 Gulden geschäzt. Es gehört dieses also zwar nicht unter die ansehnlichen Münzsammlungen in Deutschland aber dennoch enthält es viele von grosser Seltenheit. Bon den neuen Münzen sind die Brandenburgischen, die königlichen Münzen auf Ludwig XIV. und die kaiserlichen auf Peter I. an Vollständigkeit und Wichtigkeit die bedeutendsten. Unter den antiken Münzen, deren Anzahl sich nur auf 6 bis 7000 belaufen mag, sind die republikanischen die seltensten, die römischen aber die vollständigsten. Die ganze Einrichtung dieses Kabinets, wie die Classification und Conservation der Münzen ist übrigens musterhaft, und zeugt deutlich genug von den Kenntnissen und Eiser seiner Borsteher. Für die Münzliebhaber ist noch dadurch vortreflich gesorgt worden, dass ein kleines, mit verschiedenen Gemählden und Statüen ausgeziertes Nebenzimmer, eine artige Münzbibliothek verwahrt, worunter sich manche kostbare und seltene Werke, befinden. Ich verlies dieses Münzkabinet nicht ohne den Wunsch, dass der zweite, eben so gelehrte als geschmarkvolle Vorsteher desselben, Herr geheime Hofrath Wezel, das Publikum baldmöglichst mit einem räsonnirenden Verzeichnis der vorzüglichsten Münzen beschenken möchte, ein Geschenk, wofür ihm um so mehr der Kenner und Liebhaber den wärmsten Dank zollen würde, als Ansbach sich nicht lange mehr dieser Zierde wird erfreuen können» (Georg Friedrich Daniel Goess, Briefe über Ansbach. Von einem Württemberger an seinen Freund, Grünberg, 1797, p. 77-81).

References

  1. ^  Goess, Georg Friedrich Daniel (1797), Briefe über Ansbach. Von einem Württemberger an seinen Freund, Grünberg.